#4 Tourenbericht: Watzmannüberschreitung

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#4 Tourenbericht: Watzmannüberschreitung

Der Watzmann begleitet mich schon eine ganze Weile. Mein Papa hat schon Geschichten über Ruf des Berges erzählt… und das man sich vom Ruf der Gailtalerin in Acht nehmen sollte. Ich war schon oft am Watzmann und habe mich bisher nicht an die Überschreitung herangetraut. Er ist schließlich der “gefährlichste” Berg Deutschlands… auch wenn ehrlicherweise die meisten tödlichen Unfälle in der Ostwand passieren. Mein Ziel für 2022 war es diese Projekt endlich anzugehen und das nicht an irgendeinem Tag, sondern an meinem Geburtstag!

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Schlechte Ausgangslage

Zu Beginn drohte allerdings die Tour ins Wasser zu fallen. Mein Tourenpartner erkrankte und ich stand vor der Entscheidung, ob ich das Abenteuer Watzmann alleine angehen wollte oder nicht. Der Entschluss stand dann allerdings recht schnell fest. Im Ramsau angekommen, gab es aber schon die nächste Hürde: Das Wetter. Gewitter waren für den (Nach-)Mittag angesagt und ich tat mich ehrlichweise mit der zeitlichen Einschätzung der Tour etwas schwer. Nach etwas Recherche und Gesprächen mit meinen Papa, entschloss ich mich zumindest bis zum Hocheck zu gehen und dann einen ersten Wettercheck machen. An der Mittelspitze wollte ich dann endgültig entscheiden, ob ich die Tour durchziehe oder nicht.

Früh ging es los.

Um 1:20 Uhr war ich hellwach. Noch mal einschlafen, war sinnlos. Ich checkte das Wetter und startete vorsichtig optimistisch um 1:40 die Tour. Von meiner Ferienwohnung in Ramsau aus lief ich erstmal 10 Minuten zur Wimbachbrücke. Der Ausgangspunkt der eigentlichen Watzmannüberschreitung. Laut Schild benötigt man von hier aus 4 Stunden bis zum Watzmannhaus. Ich marschierte also los, hatte am Anfang etwas Probleme im Dunkeln das richtige Tempo zu finden, groovte mich dann aber schnell ein. Nach 1 Stunde 50 Minuten stand ich dann am Watzmannhaus…. so viel dazu.
 

Aufstieg zum Hocheck

Ich machte mich im Dunkeln also auf zum Hocheck. Am Anfang hatte ich doch etwas Probleme mit der Orientierung und verlor die Wegmarkierung einige Male aus den Augen. Das wurde aber mit der zunehmenden Helligkeit deutlich besser. Hinter mir sah ich die ersten Stirnlampen aufleuchten (6 an der Zahl), ich war also nicht alleine. 
 
Auf 2.651m angekommen, stand ich vor dem berühmten Jesuskreuz des Hochecks. Die Sonne ging gerade auf und meine erster Blick fiel auf den Himmel.  Keine gefährliche Wolke zu sehen und das Wetterradar zeigte für die nächsten paar Stunden auch nichts besonderes an. Da mein Tempo bisher gut war, war also klar: Ich hatte ein gutes Zeitfenster erwischt.
 

Sprint zur Mittelspitze

Nach einer kurzen Pause ging es weiter für mich auf den höchsten Gipfel der ausschließlich auf deutschem Boden steht: Die Mittelspitze. 1 Stunde war angeschrieben, 20 Minuten habe ich gebraucht. Die erste Kletterstellen kamen auf, waren aber einfach. Hier machte ich auch meine erste größere Pause. Ich war früh dran und wollte die Zeit hier oben einfach nur genießen.
 

Der gefürchtete Grat

Das letzte und schwierigste Stück der Tour stand mir noch bevor. Das Auf und Ab des Grates zur Südspitze. Ich kann verstehen, warum viele diesen Teil als schwierig empfinden. Teilweise stehst du auf einem schmalen Grat. Links von dir geht es hunderte Meter die Ostwand hinab, rechts von dir mehrere hundert Meter Richtung Wimbachtal. Beeindruckend. Die Kletterei machte mir zumindest mega Spaß und ich durfte sogar Alpenhühnern und Steinböcken begegnen.
 
Nach etwas mehr als fünf Stunden erreichte ich den Gipfel des Watzmann-Südgipfels. Ich hatte es geschafft. Krass.
 
Ich gönnte mit eine ausgiebige Pause, genoß den etwas diesigen Ausblick und war einfach happy. Nach und nach kamen einige wenige Bergsteiger, welche die Überschreitung ebenfalls gewagt hatten, am Gipfel an. Tatsächlich waren nur vier vom Watzmannhaus aus gestartet, waren aber am Hocheck bereits wieder umgedreht. Wir beglückwünschten uns gegenseitig, schossen Fotos und machten uns dann langsam Richtung Abstieg.
 

Der verteufele Abstieg

Ich hatte im Vorfeld mit einigen Leuten gesprochen, welche die Watzmannüberschreitung schon absolviert hatten und alle haben mich vor einem gewarnt: Der Abstieg ist übel. Tatsächlich sind die ersten Kilometer überhaupt nicht schön. Steil und schottrig… stellenweise rutscht man mehr als das man läuft. Mein rechtes Knie gefiel das gar nicht, sodass ich auch etwas das Tempo raus nehmen musste. Ich blickte zurück, konnte die Südspitze schon gar nicht mehr sehen. Die Wolken waren da.
 
Auf circa 1.500m hat man das “Flachland” erreicht. Ab jetzt läuft circa 10 km nur dem Wimbachgries entlang. Nicht besonders spektakulär. Ich konnte das Tempo wieder anziehen und gönnte mir auch noch ein Mittagessen am Wimbacher Schloss. War ja schließlich mein Geburtstag.
 

Fazit

Die Watzmannüberschreitung ist eine wahnsinnig schöne Tour! Zumindest für die diejenigen, die schwindelfrei, trittsicher und konditionsstark sind. Im Nachhinhein hatte ich sogar Glück mit dem Wetter, da es nicht zu warm und  daher auch weniger Verkehr als sonst üblich auf dem Watzmann war. Ein Klettersteigset hatte ich übrigens gar nicht erst mitgenommen und habe es auch zu keinem Zeitpunkt vermisst. Ein Helm hatte ich dabei und würde es auch wieder tun (Steinschlag).
 
Im Endeffekt bin ich ultrahappy und auch ein wenig stolz auf mich, dass ich diesen Meilenstein geschafft habe. Ich komme ganz sicher wieder.

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