Brauche ich eine Unfallversicherung?

Dieses Thema wird heiß diksutiert… die einen sagen: „Auf jeden Fall!“, andere wiederum: „Total unnötig“

Wichtig ist doch, dass du für DICH entscheidest, ob eine private Unfallversicherung sinnvoll ist oder nicht.  Daher habe ich dir alle Infos zum Thema Unfallversicherung zusammengefasst.

Kleiner Hinweis am Rande: Solltest du im Angestelltenverhältnis beschäftigt sein, bist du schon unfallversichert. Die Versicherung zahlt allerdings dein Arbeitgeber für dich. Du kannst unten genauer nachlesen, was der Unterschied zu privaten Unfallversicherung ist.

Gesetzliche vs. private Unfallversicherung

Gesetzliche Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung ist ein Zweig der Sozialversicherung.
Als Pflichtversicherung gleicht sie Gesundheitsschäden aus, die Versicherte infolge einer versicherten Tätigkeit erleiden. Dazu zählen Arbeitsunfälle, Wegeunfälle (Hin- und Rückweg zur Arbeit) und Berufskrankheiten.

Private Unfallversicherung

Eine Statisk zum Nachdenken

Die gesetzliche Unfallversicherung ist schon über 100 Jahre alt und diente auch schon damals dazu, Arbeiter bei einem Arbeitsunfall zu unterstützen.
3 von 4 Unfällen passieren allerdings in der Freizeit. Da greift die gesetzliche Unterversicherung nicht. Genau dafür ist die private Unfallversicherung da.

Wann leistet die private Unfallversicherung?

Die private Unfallversicherung leistet, wenn gemäß den Versicherungebedingungen ein Unfall vorliegt. Ist ja logisch, aber wie ist der Unfallbegriff genau definiert. Hierfür gibt es eine einfache „Formel“.

 

Ein Unfall liegt dann vor, wenn ein plötzlich von Außen unfreiwllig auf den Körper einwirkendes Ereignis stattgefunden hat. Im Versicherungsbereich wird das einfach mit PAUKE abgekürzt. Sind alle Bedingungen erfüllt, erhälst du deine Leistungen. Wie genau das funkioniert, schauen wir uns jetzt an. 

Wie funktioniert die Unfallversicherung?

Grundlage: Grund-/Invaliditätssumme

Die Basis einer Unfallversicherung ist die vereinbarte Grundsumme. Die vereinbarst du bei Abschluss der Unfallversicherung. Ein guter Richtwert sind hier 3-5 Jahresbruttogehälter, aber mindestens. 100.000€.

Gliedertaxe

Sollte ein Unfall gemäß dem PAUKE-Begriff vorliegen, wird anhand der sogenannten Gliedertaxe die Beenträchtigung festgestellt. Mit Hilfe der Gliedertaxe wird jedem Körperteil ein bestimmter Prozentsatz zugeschrieben (siehe Bild).

Der Prozentsatz und deine Grundsummer ergibt die Versicherungsleistung. Liegt beispielsweise eine Invalidität von 10% bei ein Grundsumme von 100.000€  vor, erhälst du 10.000€ aus dem Vertrag ausbezahlt.

Leistungsbooster Progression

Bei schweren Unfällen die eine hohen Invaliditätsgrad zur Folge haben stellt sich meistens auch ein höherer finanzieller Aufwand ein. Für solche Fälle kann man die sogenannte Progression (empfehlenswert: 235-350%) vereinbaren. Solltest du im oben aufgeführten Beispiel zu 100% Invalide sein bekommst du keine 100% sondern 350.000€, wenn du eine Progression in Höhe von 350% vereinbart hast.

 

Gliedertaxe des Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV)

Auf welche Leistungsmerkmale sollte ich achten?

Grund- bzw. Invaliditätssumme

Wie bereits erwähnt ist die Invaliditätssumme die wichtigste Größe in der Unfallversicherung, daher sollte diese auch ausreichen hoch gewählt werden.

Eine gute Faustregel: 3-5 Jahresbruttogehälter, aber mind. 100.000€

Verbesserte Gliedertaxe

Die Gliedertaxe haben wir uns ebenfalls oben bereits angesehen. Einige Versicherer weichen von der Empfehlung des GDV ab und das im positiven Sinne. Mit einer Erweiterten Gliedertaxe werden die einzelnen Prozentsätze erhöht.

Progression

Die Progression sorgt dafür, dass du bei einer höheren Invalidität auch eine höhere Summe ausgezahlt bekommst. Das ist absolut sinnvoll, da tendenziell der finanzielle Aufwand bei hoher Invalidität deutlich höher ist. Eine Progression von 225%-350% ist hier empfehlenswert.

Erweiterter Unfallbegriff

Gerade für Sportler interessant. Durch den erweiterten Unfallbegriff leistet die Unfallversicherung auch bei Folgeschäden durch erhöhte Krafteinwirkung, falls bei einer Bewegung ohne Fremdeinwirkung ein Muskel oder eine Sehne reißen oder gezerrt werden sollten.

Mitwirkungsanteil
Todesfallschutz
Vergiftung und Infektionen

 kosmetische Operationen
Schlaganfall, Herzinfarkt, Bewusstseinsstörungen

Erstickung, Erfrieren, Ertrinken
Bergungskosten

Extremsport, Motorrad etc

Welche Leistungen sind nicht sinnvoll?

Sinnvoll ist natürlich relativ. Jede Leistung hat seine Daseinsberechtigung und es individuelle Umstände, die den Abschluss einer dieser Leistungen rechtfertigen können. Die Frage ist schlussendlich, ob sie aus wirtschaftlicher Sicht auch wirklich Sinn ergeben. Denn mehr Leistung führt automatisch zu einem höheren Beitrag. Daher sind sie aus meiner Sicht maximal „nice-to-have“. Schlussendlich entscheidest du, welche Leistungen für dich sinnvoll sind oder eben auch nicht. 

Verträge mit Beitragsrückgewähr

Des Deutschen liebstes Kind ist die Beitragsrückgewähr. Zumindest im Versicherungsbereich. Die Versicherer werben damit einen Teil der Beiträge anzulegen und zu einem bestimmten Stichtag die Summe X auszuzahlen. Klingt verlockend. Wenn man die Angebote allerdings genauer durchrechnet, weiß man wer am Ende gewinnt: Der Versicherer. Die Beitragsdifferenz kannst du selbst besser investieren.

Krankenhaustagegeld

Ein Krankenhausbesuch ist nicht kostenlos. Bei einer vollstationären Aufnahme wird eine Zuzahlung von 10€ fällig. Diese Zuzahlung ist auf 28 Tage pro Kalenderjahr begrenzt.  In der Unfallversicherung kannst du beispielsweise vereinbaren für jeden Tag im Krankenhaus genau diese 10€ zu erhalten. Diese Leistung spiegelt aber eher wenig den Mehrbeitrag wider, den du dafür bezahlen musst. Darüber hinaus muss auch der Unfallbegriff erfüllt sein, damit du die Leistungs überhaupt erhälst. Falls der PAUKE-Begriff nicht erfüllt ist, gibts auch kein Leistung. Möchtest du dennoch Geld bekommen, wenn du im Krankenhaus liegst, dann ist ein Krankentagegeld vermutlich die bessere Alternative.

Unfallrente

Du bekommst eine vereinbarte Rente ausgezahlt, wenn du einen gewissen Invalidtätsgrad erreicht hast (meist ab 50%). Wenn Du bereits eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung hast, ist diese nicht zwingend notwendig. Solltest Du einen Unfall mit Gesundheitsfolgen erleiden und berufsunfähig werden zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung. Für den Fall, dass Du zwar teilweise oder vollständig invalide, aber nicht berufsunfähig bist, kannst Du ja immer noch normal weiterarbeiten und benötigst kein monatliches Einkommen aus der Versicherung. Solltest du keine BU-Absicherung wegen deines Gesundheitszustandes bekommen, kannst Du mit der Unfallrente wenigstens einen Teil des Risiko absichern.  Vielleicht ist dann aber die Grundunfähigkeit, die bessere Variante. Auch hier gilt: Die Unfallrente fließt nur, wenn die Unfalldefinition nach PAUKE erfüllt ist.

Eine Unfallrente ist in keinem Fall ein Ersatz für eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung. 90% der Berufsunfähigkeiten resultieren nicht nach einem Unfall, sondern sind auf anderweitige Krankheiten zurückzuführen.

Übergangsleistung

FAQ

Grundsätzlich für jeden, da die meisten Unfälle in der Freizeit und im Haushalt passieren.
 

Kommt auf den Versicherer an. Es gibt ein paar wenige Versicherer die auf Gesundheitsfragen verzichten.

Du bekommst eine Leistung, wenn der Unfallbegriff PAUKE (Plötzlich von Außen unfreiwillig auf den Körper einwirkendes Ereignis) erfüllt ist.

Ich gehe mit der Progression, da du sonst bei „kleineren“ Unfällen auch  nur eine sehr geringe Leistung erhälst. Eine höhere Grundsumme kostet natürlich mehr Beitrag, daher wählen viele eine deutlich höhere Progression.

Kleiner Tipp: Du hast von mir eine Faustformel für die Progression bekommen. Schau dir dazu mal die Gliedertaxe an und rechne einfach mal ein bisschen rum.

Auch hier gibt es Unterschiede. Ich empfehle dir Unfallversicherungen mit einem Jahr Laufzeit abzuschließen. Damit bleibst du flexibel. Fallst du die Versicherung nicht kündigst, verlängert sie sich automatisch um ein Jahr.

Das kann durchaus passieren. Ggf. wird der Versicherer Unfälle bei der Ausübung der Sportart ausschließen oder einen Beitragszuschlag verlangen.

Nicht immer. Die Beitragsdynamik soll für einen Inflationsausgleich sorgen. Grundsätzlich gilt: Je jünger du bist, desto eher lohnt sich eine Dynamik. 

Nein! Eine Unfallversicherung zahlt nur, wenn der Unfallbegriff erfüllt ist. Nicht einmal 10% der BU-Fälle sind auf Unfälle zurückzuführen. Die BU ist und bleibt die beste Wahl, um seine Arbeitskraft abzusichern. Sollte dir eine Arbeitskraft zu teuer sein, weil du z.B. einen handwerklichen Beruf ausübst oder wegen deines Gesundheitszustandes keine bekommen, dann schaue dir lieber mal das Thema Grundfähigkeitsversicherung an.

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